Wir wollen einmal einen Tag so ausgeglichen wie die Natur verbringen und uns nicht von jeder Nußschale, jedem Mückenflügel aus dem Gleise werfen lassen. Wir wollen früh und geschwind aufstehen und ruhig und ohne Hast frühstücken. Mag einer kommen, mag er gehen, mögen Glocken läuten, die Kinder schreien, wir sind entschlossen, den Tag richtig zu leben. Warum sollen wir klein beigeben und mit dem Strom schwimmen?
Auch durch die gefährliche Stromschnelle und den Wirbel der mittäglichen Untiefen, die man Dinner nennt, wollen wir uns nicht von unserem Vorhaben abbringen lassen. Umschiffe diese Gefahr, und du bist gerettet, denn der Rest des Weges verläuft gemächlich. Mit gespannten Nerven, mit morgentlicher Frische wollen wir daran vorübersegeln und wie Odysseus, an den Mast gebunden, nach der anderen Seite schauen. Pfeift die Lokomotive, dann lassen wir sie pfeifen, bis sie heiser ist. Wenn die Glocke tönt, warum gleich laufen? Überlegen wir uns lieber, was für Töne das sind!
Wir wollen einmal mit uns selbst ins reine kommen und uns einen Weg bahnen durch den Schlamm der Anschauungen, Vorurteile und Traditionen, der Täuschung und des Scheins, durch all die Ablagerungen, die den Erdball überziehen; durch Paris und London, durch New York, Bosten und Concord; durch Kirche und Staat, durch Dichtung, Philosophie und Religion, bis wir auf den harten, felsigen Grund stoßen den wir Wirklichkeit nennen können; bis wir sagen können: Das ist, darüber besteht kein Zweifel; bis wir unter Wasser, Eis und Feuer den point d'appui gefunden haben, die Stelle, auf der wir eine Mauer oder einen Staat gründen können, einen Leuchtturm errichten oder noch besser einen Pegel verankern können, keinen Wasserstands-, sondern einen Wirklichkeitsanzeiger, an dem künftige Generationen erkennen können, wir hoch die Wellen der Täuschungen und des Scheins jeweils gestiegen waren.
Henry David Thoreau, Boston 1854 |